![]() | ||||
| |||||||||||||||||||||||||||||
Vor einiger Zeit erreichte mich dieser Text, mit der Bitte um Veröffentlichung: Jörg Börjesson hat sich selbst auf den OP-Tisch gehievt. Mit Tablettenmissbrauch hat sich der Ex-Bodybuilder unter das Messer gebracht. Das tägliche Gewichte stemmen im Fitnessstudio hatte der dreifache Familienvater jahrelang mit Hormon-Pillen gepuscht. Ich bin heute ein Wrack, sagt der 36-jährige Recklinghäusener. 400 Gramm geschädigtes Drüsengewebe wurde ihn kürzlich im Verlauf einer 2,5-stündigen Operation durch den plastischen Chirurgen Dr. Abdul Rahman Yousef aus den Brustwarzen geschnitten. Börjesson ahnte innerlich, dass die Verhärtungen in seiner Brust eine tickende Zeitbombe waren. Die mögliche Diagnose Brustkrebs konnte nicht ausgeschlossen werden. Seine Sehnen und Gelenke schmerzen. Bauchkrämpfe plagen ihn und seine Bandscheibe ist kaputt. Jetzt will er als Betroffener den "anonym Geschädigten ein Gesicht verleihen". Heute versteht er sich als "Präventologe. Börjesson hat die Fronten gewechselt. Seine Geschichte gleicht einem schlechten Krimi und alles fing dabei ganz harmlos an: Im Sommer 1984 begann Jörg Börjesson als Freizeitsportler. Sportarten, wie Fußball oder Leichtathletik, kamen für ihn nicht in Frage. Schon als Kind hatte er Probleme mit Asthma. Er dachte damals, dass er so richtige fit wird. Schon nach kurzer Zeit bemerkte der damals neunzehnjährige wie sich sein Körper veränderte. Seine Arme wurden strammer und hart, er wurde breiter und die Schultern formten sich. Langsam bekam er eine sportliche Figur. Nach einem Trainingsseminar im Fitnessstudio wird Börjesson in der Umkleidekabine vom Seminarleiter angesprochen. Vermutlich bin ich ihn durch meinen schon damals athletischen Körper aufgefallen, sagt er. Als Börjesson seine Ungeduld gegenüber dem Leiter erklärte, sind die kleinen harmlos aussehenden Pillen aus der Trainingstasche schnell herausgekramt und ihm angeboten. "Hier, schluck mal zwei dieser Tabletten zwei Stunden vor dem Training und du wirst länger und intensiver trainieren können. Der gewünschte Körper kann so viel schneller aufgebaut werden, und wenn du dich an Dosierungen hälst, die ich dir vorgebe, werden keine Probleme auftauchen. Das mit den Nebenwirkungen ist sowieso nur ein Mhytos. Es wären alles "saubere Produkte" - direkt von der Pharmaindustrie und nichts vom Schwarzmarkt, so der Doping-Dealer. Als Börjesson bei seinem "Fitness-Vorbild" nach fragte, ob das nicht irgendwelche "Doping-Sachen" wären fügte der Seminarleiter an, dass er ja selber diese "Leistungsförderer einnimmt und sich momentan so auf die "Weltmeisterschaft im Bodybuilding" vorbereitet. Danach verflogen Börjessons anfänglichen Bedenken. Ich habe ihn vertraut, denn er war ja kein dreckiger Dealer von der Straße, sondern mein Idol, den wir alle aus den Fitnesszeitschriften kannten, sagt Börjesson. Später investierte er bei geheimen Treffen auf Autobahnparkplätzen bis zu 250 Euro für die Hormonpillen. Börjesson hatte es in Hochzeiten bei 1,80 Körpergröße auf Muskelbepackte 110 Kilo gebracht. Kniebeugen mit der 200-Kilo-Stange waren für ihn Aufwärmübungen. Er nahm 1986 an einer Newcomer-Meisterschaft teil und später an weiteren Bodybuilding-Meisterschaften im Amateurbereich. Heute wiegt er unförmige 85 Kilo, kann von Zeit zu Zeit nicht einmal seine kleine Tochter schmerzfrei auf den Arm nehmen. Heute darf ich gar keinen Sport mehr machen. Es hatte Jahre gebraucht, bis er begriffen hatte, was überhaupt passiert war, denn es war ihm nicht klar, dass er über Jahre gefährlichen Medikamentenmissbrauch betrieben hatte. "Von Nebenwirkungen war nie die Rede", erinnert er sich, mein damaliges Idol hat mich immer beruhigt. Das wahre Problem des Dopings liegt nicht im Spitzensport, sondern im Freizeit- und Breitensport. Experten schätzen, dass "350 000 Menschen mit Doping-Mitteln hantieren" - die Dunkelziffer muss gewaltig sein, berichtet Börjesson. Trotzalledem darf der Bodybuildingsport nicht verteufeln werden, denn es gibt heutzutage keine Sportart mehr die nicht von diesen wichtigen Trainingsprinzipien profitiert, dass fängt beim Fußball an und hört beim Boxen auf. In bezug auf Disziplin und Willenskraft von Bodybuilder/rinnen sind viele Sportler von "sogenannten Vorzeigesportarten" neidisch und das mit recht. Aber: Zwar soll und kann jeder für sich selbst entscheiden, ob er sich durch Medikamentenmissbrauch schädigt, aber jedem muss klar gemacht werden, dass diejenigen die durch den Einsatz von Doping-Mitteln eine Steigerung der eigentlichen Leistung erwarten, diese Präparate immer in Überdosierung zu sich nehmen müssen; und jede Überdosierung ist immer mit irgendwelchen Nebenwirkungen behaftet, die u. a. gerade auch beim Doping in manchen Fällen leider sogar bereits bis zum Tod geführt haben (und dabei ist es egal ob es sich dabei z. B. um sonst harmlose Schupfen- oder Hustenmittel handelt oder um irgendwelche missbrauchten Präparate die normalerweise u. a. für Aids- oder Krebskranke erdacht sind), so Börjesson "Die Erfahrung von Freundschaft und Teamgeist im Sport sowie die Freude am Sport ist wichtiger ist als die eigentliche Leistung. Ich bin der Meinung, dass jeder dazu bereit sein muss, seine Grenzen kennen zulernen. Sie zu aktivieren, sind die wichtigsten Voraussetzungen für die Verhütung des Anabolika-Missbrauchs, und das in allen Sportarten. Gerade Jugendliche müssen begreifen, sich so zu akzeptieren, wie sie sind. Nicht alle werden mit guten Erbanlagen geboren oder entsprechen dem durch die Mode diktiertem Ideal. Dies anzuerkennen, fällt aber nicht nur Jugendlichen, sondern auch manchen Erwachsenen schwer. Bei anderen gut oder schlecht anzukommen, ist keine Frage des Aussehens, sondern des Geschicks im Umgang mit andern und des gesunden Selbstbewusstseins. Dazu gehört auch, sich selbst annehmen zu können. Auch Eltern und Lehrer müssen klar zum Ausdruck bringen, dass die Einnahme von Doping-Mitteln im Sport nicht nur unfair ist, sondern schwerwiegende gesundheitliche Probleme mit sich bringen", sagt Börjesson. Manchmal fehlen ihm seine Trainingskameraden sogar. Nur wenn einer der Sportler behauptet, er hätte das mit den Tabletten im Griff, dann reagiert der "Doping-Aussteiger" empfindlich. "Nur die Eiweiß-Shakes oberhalb der Ladentheke kaufen, predigt er unerlässlich. "Eine Pauschalisierung, dass angeblich alle Fitnessstudios mit Doping verseucht sind, halte ich für falsch. Es gibt genügend Fitnessstudios z. B. im Ruhrgebiet, wo ich einen guten Kontakt zu den Besitzern habe, die absolut Gesundheitsfördernd in Aktion treten. Sie haben es verdient, sich von den "Schwarzen Schafen" abgrenzen zu können. Diese für unsere Gesellschaft wichtigen Sportstätten sollten meiner Meinung nach genauso staatlich gefördert werden, wie manche anerkannten Reha-Einrichtungen", so Börjesson. Börjesson meidet auch Auftritte "in der Höhle des Löwen" nicht. Sein Besuch auch auf der diesjährigen Weltmesse für Fitness- und Bodybuilding "FIBO" in Essen, löste nicht nur Jubel aus: "Als ich Nebenwirkungslisten verteilte, hatte ich das Gefühl, dass ich die Party ein wenig störe", sagt er. Er sucht anhand seiner abschreckenden Krankheitsgeschichte das Aufklärungsgespräch mit den "Doping-Harmlos-Redern" und hat im Internet die Seite www.Doping-Frei.de aufgebaut. "Noch in diesem Jahr werden ich zusammen mit meinen Mitstreitern ein gemeinnütziges Zentrum gründen, das bundesweit "an der Front" vor allem in Schulen, Fitnessstudios und Sportvereine jeglicher Art über die Gefahren des Doping-Missbrauchs aufklärt, damit niemand in die gleiche "Doping-Falle" tappt, die mich selbst zum Patienten machte. Wer Mitmachen will, kann sich gerne melden", so Börjesson. Inzwischen konnte er seine Erlebnisse auch in einem Buch ("Die Doping-Falle") verarbeiten. Ein seriöser Verleger wird noch gesucht (denn auch da gibt es "Schwarze Schafe"). Das Thema Doping bekommen wir nicht durch neue Gesetze in den Griff, sondern nur durch Abschreckung und Warnung vor den gesundheitlichen Nebenwirkungen", sagt Börjesson. Und deswegen will er den vielen namenlosen Doping-Geschädigten ein Gesicht verleihen sein Gesicht. Betroffene, Lehrer, Fitnessstudiobesitzer und anderweitig Interessierte können Jörg Börjesson per E-Mail: antidoping@t-online.de oder mobil unter 0174/1937841 erreichen. | |||||||||||||||||||||||||||||
![]() | Buchtips zum Thema: | ||||||||
Steroide Schockierende Berichte über unvorstellbare Dosierungen und Kombinationen von Wachstumshormon, IGF-1 und Steroiden. Dieses Buch zeigt, wie die Bodybuilding-Profis Steroide wirklich einsetzen. Internationale Champions erzählen in eigenen Worten, wie sie Hormone und andere Medikamente zum Masseaufbau und in der Wettkampfvorbereitung anwenden. Erfahren Sie aus erster Hand, welche Steroide und Kombinationen bei ihnen am besten gewirkt haben und welche Medikamente nicht mehr verwendet werden. Sie erfahren zudem anschaulich, welche Nebenwirkungen einige dieser Champions in Kauf genommen haben! | |||||||||
![]() | |||||||||
![]() | Doping im Bodybuilding | ||||||||